Chronik Martinskirchen

 

Besiedlung des Elbufers bei Mühlberg

Im Sommer 1227 zogen die Herren Otto und Bodo von Ihlenburg, kaiserliche Lehnsträger im Auftrag des Kaisers Richtung Osten. Sie wollten die Elbgegend südlich der festen Plätze Torgawa (Torgau) und Beligora (Belgern) gegen wendische Überfälle sichern und jenseits des Stromes Neuland für deutsche Siedler erwerben. Etwa zweieinhalb Stunden südlich von Beligora an der großen Flußschleife bildete der Strom durch Teilung und Inselbildung günstige Gelegenheit zum sicheren Bau einer festen Burg. Diese Burg wurde „Malburg“ genannt, woraus der spätere Ort Mühlberg entstand.

Im Schutze dieser Grenzburg bauten Bauhandwerker in jahrelanger Arbeit die weitläufigen Gebäude des Klosters Marienstern. Dieses Kloster war ein Zisterzienserkloster, also ein ackerbautreibendes Kloster. Etwa eine Wegstunde stromabwärts besaß das Kloster ein Vorwerk, das ein Klostervogt mit mehreren Familien von Klosterleuten bewirtschaftete. Diese Leute bauten ihre strohgedeckten Fachwerkhäuser an dem etwas erhöhten rechten Ufer eines der Hauptarme des Stromes in langer Reihe. Nur die Dorfstraße trennte sie vom nahen Wasser. Die leiblichen Bedürfnisse erwarben sie in schwerer Landarbeit. Für ihr Seelenheil sorgte der Klosterprobst durch Erbauung eines Kirchleins, das dem streitbaren heiligen Martin geweiht wurde. Daraus ergab sich der Name der Kirche “ Martinskirche“, der sich auf die Siedlung übertrug.

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Gründung von selbständigen Gütern

Es ist nicht mehr festzustellen, wie lange die Landwirtschaftsverwaltung des Klosters Marienstern den Klosterhof Martinskirchen in Selbstbewirtschaftung hatte. Jedenfalls bestand der ehemalige Klosterbesitz etwa seit der Mitte des 14. Jahrhunderts aus sechs selbständigen Gütern. Ihre Namen waren:

  • Der Münchshof
  • Der Runghof
  • Das Filizgut
  • Das Vorwerk
  • Das Hennengut
  • Die frei Hofstatt

Diese Güter waren Lehnsgüter des Klosters und standen an den höchsten, also wassersichersten Stellen des Dorfes (heutiger Schloß- und Kirchraum).

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Anfangsgeschichte des Rittergutes Martinskirchen

Das Rittergut Martinskirchen ist aus neun Gütern entstanden, von denen sechs in Martinskirchen und je eins in Altbelgern, Brottewitz und Langenrieth lagen. Diese Güter, mit Ausnahme des Rungegutes, brachte im Jahre 1560 Wolf Dietrich von Körbitz an sich. Einige Jahre später erwarb er auch noch das Rungegut und war somit Besitzer der sechs Güter zu Martinskirchen. Erst von dieser Zeit an kann man von einem Rittergut Martinskirchen sprechen.

Herr Wolf Georg von Körbitz, Enkel von Wolf Dietrich von Körbitz, verkaufte im Jahre 1579 das Hennengut für 4 500 Gulden. Damit war wieder eine Teilung in das Rittergut eingetreten.

Im Jahre 1687 kaufte der kurfürstlich sächsische Stallmeister Johann Georg von Wehlen die einzelnen Güter. Somit waren nach 108 Jahren Trennung die Martinskirchner Güter wieder in einem Besitz.

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Johann Georg von Wehlen

Herr Johann Georg von Wehlen, Churf. Sächs. Stallmeister und Amtshauptmann zu Torgau und Mühlberg, Generaladjudant und Kammerherr verwandelte die Güter unter landesfürstlicher Bestätigung aus Lehn in Allodgüter und erhielt 1688 das Patronat der Kirche Altbelgern und Martinskirchen auf seine Besitzungen verliehen. Er vergrößerte die hiesige Kirche durch Verlängerung des Kirchenschiffes nach Osten und den Anbau der beiden Chöre.

Seine Güter bewirtschaftete er mustergültig. Er vermehrte die Schafherde auf 1 800 Stück und richtete ein Gestüt mit etwa 100 Pferden ein. Sein Erfolg in der Pferdezucht bewies, daß er bereits 1698 einen selbstgezogenen Hengst für 3 000 Taler verkaufen konnte. Nach dem Vorbilde Inocensius von Lüttichau schloß er mit seinen Erbzehnern einen Arbeitsvertrag ab. Zum Gute gehörte eine Schiffsmühle und eine Schmiede. Im Jahre 1699 brannte durch Unvorsichtigkeit eines Schützen das ganze Gut nieder. Herr von Wehlen baute es zeitgemäß wieder auf. Der alte Turm ist das letzte Überbleibsel dieses Baues.

Herr von Wehlen liegt in der Kirche Martinskirchen begraben.

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Graf Friedrich Wilhelm von Brühl

Wehlens ältester Sohn, auch Johann Georg geheißen, verkaufte am 6. Mai 1739 das Gut an den Landeshauptmann des Markgrafentums Niederlausitz, wie auch Kreishauptmann und Kreiskommissario, auch Obersteuereinnehmer Grafen Friedrich Wilhelm von Brühl für 98 000 Taler. Diesem Grafen Brühl ging es nicht um die Landwirtschaft, er wollte in diesem Teile Chursachsens sich einen Landsitz schaffen.

Von 1754 – 1756 ließ er das heutige Schloss erbauen. An der Südseite desselben legte er den sogenannten französischen Garten an, mit zierlich verschnittenen Hecken, Bosketts, lauschigen Plätzchen und Springbrunnen. In dieser Zeit wurden in Martinskirchen glänzende Feste und Parforcejagden gefeiert; an letzteren nahmen nicht nur die Herren, sondern auch die Damen zu Pferde in roten Fracks teil. Im Jahre 1749 erwarb Brühl das Vorwerk Langenrieth, so daß die Herrschaft Martinskirchen die Güter Martinskirchen, Altbelgern, Brottewitz und Langenrieth umfaßte.

Brühl’s Besitznachfolger waren die beiden Söhne Hans Moritz und Heinrich Adolf. Nachdem der letztere die Mündigkeit erlangt hatte, erfolgte zwischen den Brüdern eine Vermögensauseinandersetzung. Der ältere Moritz erhielt Martinskirchen. Der jüngere Adolf erhielt Bedra im Kreise Merseburg. Wartenburg im Kreise Wittenberg blieb im gemeinsamen Besitz. Martinskirchen war von 1764 – 1795 an die Landwirte Dietze und Schurig verpachtet.

Graf Moritz von Brühl war Churf. Sächs. Gesandter am Großbritannischen Hofe zu London und hat dort ein lustiges verschwenderisches Leben geführt. Um Geld zu erhalten, belastete er seine Güter mit Hypotheken. Er verkaufte die gesamte Herrschaft Martinskirchen am 29. Mai 1795 für 153 000 Taler an den Churf. Sächs. Kammerkommissar und Holzhändler Andreas Christoph Stephann in Torgau.

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Andreas Christoph Stephann

Auf dem Rittergute Martinskirchen, das 100 000 Taler kostete, lastete eine Schuldensumme von 71 119 Talern und 12 Groschen. Herr Stephann übernahm die Schulden und verpflichtete sich, den Rest in einer unteilbaren Summe zu zahlen. Ob dieser erste Stephann nach Martinskirchen zog oder in Torgau in seinem Hause „auf der Leipziger Gasse“ blieb, ist nicht bekannt. Im Jahre 1800 verkaufte er den gesamten Besitz von Martinskirchen an seinen einzigen Sohn, den 25jährigen Studenten beider Rechte zu Leipzig, Johann Andreas Christoph Stephann.

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Johann Andreas Christoph Stephann

Schon 1825 wird Martinskirchen, abgesehen von einigen ganz belanglosen Rentenzahlungen und einer geringen Abgabe an Pfarrer und Schule als unbelastet bezeichnet. Der zweite Stephann Johann Andreas Christoph leistete Bedeutendes als Bauherr, als Landwirt und im Dienste des Staates. Sofort nach Übernahme des Gutes beseitigte er den französischen Garten und erbaute an dessen Stelle den geräumigen Wirtschaftshof. An Stelle des bisherigen Wirtschafshofes ließ er einen kleinen Park anpflanzen. Die Gebäude der anderen Gutshöfe wurden abgebrochen und der ganze Wirtschaftsbetrieb auf einer Stelle, den heutigen Gutshof, konzentriert. Die Bauten des neuen Wirtschaftshofes waren:

  • Rechts vom Herrschaftstor die alte Niederlage. An ihrer Stelle steht jetzt das Inspektorhaus.
  • Links von Herrschaftstor bis zum Pferdetor der Pferdestall.
  • Links vom Pferdetor bis zur Süd-Ost-Ecke und von da bis zur Süd-West-Ecke die Scheunen.
  • Daran anschließend bis zum Wassertor der alte Kuhstall.
  • Auf eine Lücke im Gebäudekomplex kam der Hühnerstall.
  • Der alte Stall an der Nord-West-Ecke und der alte Turm stammen noch aus Wehlens Zeit.

Weitere durch J. A. Chr. Stephann ausgeführte oder auf seine Anregung errichtete und durch ihn energisch geförderte Bauten waren:

  • 1816 das Pfarrhaus Altbelgern (durch Kriegseinwirkung niedergebrannt 1813),
  • 1817 die Kirche Altbelgern,
  • 1819 der völlige innere Umbau der Kirche in Martinskirchen,
  • 1823 das neue Schulhaus (jetzt Schulschmidt),
  • 1830 die Branntweinbrennerei.

Die Viehzucht verbesserte er durch Anschaffung edler Tiere. 1802 ließ er aus Ostfriesland 21 Kühe und einen Stier kommen. Seine Schafe wurden als Zuchttiere besonders in Brandenburg gern gekauft. Von 1815 an war auf dem Rittergute Martinskirchen die Brachwirtschaft der Fruchtfolge gewichen. Die Weidewirtschaft blieb jedoch noch diesseits und jenseits der Elbe bis zum Jahre 1840 bestehen.

Dem Staate diente J. A. Chr. Stephann während der Kriegsjahre 1806 bis 1815 als Furage-Kriegskommisar. Die Rittergüter hatten allein vom Jahre 1807 – 1816 nicht weniger als 10 000 Taler zu der von Napoleon dem Kurfürstentum Sachsen auferlegten Kriegskontribution von 5 Mill. Franken zu zahlen. Dazu kamen noch die unerhörten Belastungen durch Einquartierungen. Preußens König ehrte Herrn Stephann durch Verleihung des Roten Adlerordens. Den gleichfalls angebotenen Adelstitel lehnte er ab. Im Staatsdienste stand Stephann auch als Polizeikommissar des Meißnischen Kreises.

1848 trat J. A. Chr. Stephann Martinskirchen an seinen Sohn Franz Theodor ab und lebte fortan auf seinem anderen Gute Tauschwitz. Dort ist er am 30. Januar 1864 gestorben und in Stehla begraben worden. Als die alte Zehntscheune auf dem Hundeberge abgebrochen und an deren Stelle der Stephannsche Friedhof errichtet war, wurde J. A. Chr. Stephann in Stehla exhumiert und hier beigesetzt.

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Franz Theodor Stephann

Franz Theodor Stephann war ein kleiner Mann mit vollem weißem Haar, Schnurrbart und kleiner Fliege an der Unterlippe, der sich etwas krumm und schief hielt und einen kaum merklichen Hinkefuß hatte. Er war ein ganz gerissener Advokat, der die Zeit der Ablösung und Separationen für sich zum Vorteil, der Gemeinde zum Nachteil benutzte. Er war Standesbeamter und Amtsvorsteher und wiederholt Vertreter des Landrates. Er schrieb eine kaum leserliche Handschrift und konnte das was er geschrieben hatte, kaum selber lesen. Sein ganz besonderes Interesse besaß die Obstplantage. Die Baumschere trug er immer bei sich. Das Spalierobst im tiefen Garten, von dem mir noch kümmerliche Reste bekannt sind, hat er eigenhändig gepflegt und verschnitten. Er vollendete den Aufbau des Gutshofes.

  • Die Lücken zwischen dem alten Kuhstall und dem Hühnerstall schloß er durch den Bau des
    • neuen Kuhstalles, des Schweinestalles und der Molkerei.
  • neben der Brennerei baute er das Waagehaus,
  • neben dem Butterkeller eine Niederlage,
  • im Park Gewächshaus und Mausoleum,
  • alte Gärtnerei, Spritzenhaus, Düngerschuppen, Ochsenstall,
  • auf der anderen Seitedes Turmes einen Jungviehstall,
  • Hofmeister- und Oberschweizerwohnung.

Im Jahre 1877 ließ er seinen Sohn Ernst als Mitbesitzer des Gutes gerichtlich eintragen. Fortan gab es eine alte Herrschaft, die das Erdgeschoß des Schlosses und eine junge Herrschaft, die den ersten Stock bewohnte. Franz Stephann starb am 13. April 1887 und somit war Ernst Stephann alleiniger Besitzer des Rittergutes. Im Jahr 1864 kaufte Franz Stephann ein Bauerngut in Burxdorf, welches von nun an als zweites Vorwerk bewirtschaftet wurde.

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Ernst Stephann

Ernst Stephann war ein Mann von mittlerer Größe. Bezeichnend für sein Äußeres ist der breite Vollbart. Er vertrat die Kreise Liebenwerda und Torgau im preußischen Landtag und gehörte als Reichstagsmitglied der Freikonservativen Partei an. Für seine Angestellten und Arbeiter hatte er immer ein freundliches Wort.

1870 verlegte er die alte handbetriebene Ziegelei vom Ausgange des Oberdorfes an den Waldrand Koßdorf Brottewitzer Straße und baute sie als Dampfziegelei auf. Die vorzüglichen und darum gern gekauften Mauersteine wurden jährlich bis 2.000.000 Stück hergestellt. Auch Dachsteine wurden produziert. Ernst Stephann gehörte zu den drei Männern, durch deren energisches Eintreten der Plan des Baues der Zuckerfabrik Mühlberg in Brottewitz realisiert wurde. Dieses Wirtschaftsunternehmen brachte einen bedeutenden Aufschwung des privaten Wohlstandes für diese Region. Die Gründer der Zuckerfabrik waren die Herren Lücke Borschütz, Ryther Plota und Stephann Martinskirchen. Ernst Stephann hatte keine starke Gesundheit. Ein Nervenleiden verbitterte ihm sein Leben und brachte seinen frühzeitigen Tod. Er starb am 13. Januar 1897.

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Ilka Stephann

Nachfolgerin im Besitz des Rittergutes wurde seine Gemahlin Ilka geb. Freiin von Babarrzy, ungarischer adeliger Herkunft. Zeitlebens hörte man an ihrer Aussprache den fremdländischen Akzent. Sie war eine vornehme, feine Frau, allgemein die „Gnädige“ genannt. Ihr unerschütterliches Vertrauen in Wirtschafts- und Rechtsangelegenheiten besaß ihr Inspektor Herr Ernst Müller.

Er war für die damalige Martinskirchener Zeit nicht wegzudenken mit seinem ramsnäsigen Schimmel und seinem Jagdhund Pitt. Die Arbeiter nannten seinen Namen mit Achtung. „Der Kaiser kommt“, sagte man, wenn er von fern geritten kam.

Laut Testament seines Vaters Ernst Stephann trat dessen einziger Sohn Andreas Christoph Horst Stephann mit 25 Jahren im Jahre 1913 den Martinskirchener Besitz an.

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Christoph Horst Stephann

Der Wirtschaftsbetrieb lief zunächst in den bewährten Bahnen unter Herrn Müllers Leitung weiter. Doch die erwartete Trennung zwischen dem jungen Herrn und dem alten Inspektor kam. Als dann der Alkoholteufel die guten charakterlichen und geistigen Anlagen Stephanns sowie die besten Vorsätze und Pläne erst hemmte und dann ausschaltete, da erfolgte auch der wirtschaftliche Rückgang. Die leitenden Angestellten wechselten oft und waren wohl auch nicht immer ehrlich und rechtschaffend. Die Gutmütigkeit und eingetretene Willensschwäche Stephanns wurde von gewissenlosen Leuten ausgenutzt. Am 2. Osterfeiertage, dem 5. April 1920 abends gegen 22.00 Uhr endete das Leben des letzten Stephann durch einen Unglücksfall im „Kaubes Teich“ in der Nähe des Gasthauses. Aus der Zeit des Herrn Horst Stephann stammen folgende Bauten:

  • das Inspektorhaus,
  • das neue Gärtnerhaus mit dem darunterliegenden Gewächshaus,
  • der große Gemüsegarten jenseits der Straße, dem Schloss gegenüber, samt dem Gerätehaus darin,
  • die Stellmacherei.

 

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Ilka Stephann

Zum zweiten Male wurde Frau Ilka Stephann Besitzerin des Gutes und Herr Müller war der Leiter. Der schwere Schicksalsschlag hatte die Kraft der Gnädigen gebrochen. Im Rollstuhl wurde sie im Park gefahren. Die einst so stattliche, gesunde Frau bot ein Bild des Jammers. Im Jahre 1921 erfolgte eine umwälzende wirtschaftliche Veränderung. Das Rittergut Martinskirchen erhielt ihre zweite Tochter, Elfriede Brendel geb. Stephann. Der Bewirtschafter und Verwalter des Stephannschen Erbes war ihr Ehemann, der Hauptmann a. D. Ernst Brendel. Am 13. März 1922 starb Frau Ilka Stephann, trotz ausländischer Herkunft, als eine echt deutsche Frau.

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Elfriede Brendel geb. Stephann

Herr Brendel war durch und durch Offizier. Er verstand es nicht, sich die Zuneigung seiner Leute und der Dorfbewohner zu erwerben, vielleicht wollte er es auch nicht. Aber das muß ihm der Neid lassen: Das Gut brachte und erhielt er in Schwung und holte aus seinen Grundstücken und Ställen die größtmöglichen Erträge heraus. Am 19. Juli 1937 war Frau Brendel gestorben. Jetzt gehörte das Rittergut Martinskirchen der Erbgemeinschaft: Hauptmann Brendel, einem Sohn Wolfgang und drei Töchtern, Ursula, Ilka und Asta Brendel. Als die Russen im April 1945 heranrückten, floh die Gutsherrschaft.

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1945

Ab 1945 verschwand aus dem Schloss Martinskirchen nach und nach die gesamte Inneneinrichtung. Zum Teil wurde sie von den russischen Soldaten, Flüchtlingen und Dorfbewohnern entwendet oder zerstört.

Ein Teil der wertvollen Schlossbibliothek ist in gewissenloser Weise durch Kinder und Erwachsene verbrannt worden. Weitere Bestände verwüsteten die einquartierten Flüchtlingen im Schloss. Der Mühlberger Altertumsverein besitzt auch Bestände der Schlossbibliothek Martinskirchen. Im Spätsommer 1948 holte ein unbekanntes Auto mit unbekanntem Ziele den Rest ab.

Zuerst hatte die Stadt Mühlberg das Gut an sich gerissen, es hieß „Stadtgut Mühlberg“. Dann übernahm es der Kreis Liebenwerda und endlich die Provinz. Links neben dem Pferdetore hing an der Scheune ein weißes Brett mit schwarzer Aufschrift:
“ Provinzialgut Martinskirchen steht unter dem Schutze der SMA“ (Sowjetische Militär Administration).

Da Martinskirchen als Tier- und Pflanzenzuchtgut ungeteilt bleiben sollte, der Wald war in Staatseigentum übergegangen, erhielt es 18 Zuchtstuten (Kaltblut) und eine Schafherde von etwa 300 Stück. In den folgenden Jahren tummelten sich Fohlen auf der Koppel den Scheunen gegenüber. Auch Rinder und Schweine kamen wieder in die Ställe.

Im Sommer 1948 verbreitete sich die Parole: „Das Provinzialgut Martinskirchen wird versiedelt“. Die Werkswohnungen wurden verlost. Es entstanden 56 Siedlerstellen zu je 20 Morgen Feld und 4 Morgen Wiese. Alle sind sie nicht in Martinskirchen, auch in Stehla, Brottewitz, Langenrieth und Saxdorf, denn auch in den Fluren dieser Dörfer besaß das Rittergut Grundstücke.

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1968

Die Kommune übernahm ab 1968 den westlichen Teil des Schlosses. Dort zogen im Erdgeschoss eine Schwesternstation und eine Gaststätte ein.

1985

Der Rat der Gemeinde übernahm 1985 die Trägerschaft über das gesamte Schloss. Ab da wurden einige Räume im östlichen Teil des Schlosses für eine Poststelle und einen Friseur genutzt.

1991 – 1997

In dieser Zeit wurden Restaurierungsarbeiten am Schloss durch die Brandenburgische Schloesser GmbH durchgeführt.

1992

Im April 1992 übergab die Treuhand das Schloss in die Hände der Gemeinde Martinskirchen.

( Auszüge aus der Chronik Martinskirchen )

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